Mental Load im Urlaub? Überblick über unsere Arbeiten

Die Arbeiten zu unserem Buch Familienreisen (2025) haben uns Einblicke in zahlreiche Themen ermöglicht. Immer wieder stellten wir fest, dass die rosa Brille des Urlaubs, die diesen als entspannte und sorgenfreie Zeit darstellt, nur bedingt angemessen ist. Neben grundlegenden Unterschieden und Ungerechtigkeiten hinsichtlich der Möglichkeit einen Urlaub zu finanzieren (Kapitel 1.2 Familien und Kapitel 2.2 Was schränkt Familien ein?) unter Druck) und diesen sorglos zu erleben, wurden immer wieder Zweifel daran laut, ob sich denn alle im Urlaub erholen oder ob die Entspannung und das Freisein ungleich verteilt sind.

 
 

 

Care-Arbeit und Mental Load sind in diesem Zusammenhang zentrale und eng miteinander verbundene Begriffe. Zur Care-Arbeit oder auch Sorgearbeit gehören alle Aufgaben rund um das Erziehen, Kümmern und Pflegen sowie der Haushalt mit seinen vielfältigen Aufgaben. Personen, um die sich die Care-Arbeit dreht, sind Partner:in, Kinder, Enkelkinder und Verwandte sowie Nachbar:innen und Freund:innden, die Unterstützung benötige. Je nach Ausprägung zählt das Ehrenamt ebenfalls zur Care-Arbeit.

 
 

 

 

Mental Load beschreibt das Phänomen, dass neben der eigentlichen Ausführung einer Tätigkeit Menschen in einem hohen Maße damit beschäftigt sind, Aktivitäten, Situationen, mögliche Probleme und dazu passende Lösungen gedanklich durchzugehen. Die kontinuierliche Sorge kann eine hohe Belastung bedeuten, insbesondere wenn das Gefühl besteht, dass alles an einer Person hängt und es dieser Person nicht gelingt, das Gedankenkarussell zu stoppen. Gedanken sind hier nicht rein kognitive, sondern emotional besetzte Zustände und Emotionen, wie Aufregung, Sorge und Unsicherheiten.

 
 

 

 

Die genderbasierte ungleiche Verteilung der Care-Arbeit führt zu einer hohen mentalen Belastung von Frauen, die immer noch in einem stärkeren Maße als Männer hin zu einem sich kümmernden und pflegenden Verhalten erzogen werden.

Die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und Mental Load hat eine mehrfache Relevanz für das Urlaubs- und Reiseverhalten von Menschen. Erstens kann untersucht werden, ob und wie Care-Arbeit und Mental Load im Kontext des Reisens wirksam werden: Gibt es Mental Load auch im Urlaub? Wenn dem so ist, könnte zweitens die steigende Beliebtheit des Alleinreisens (Solo Female Travel) in Ansätzen genau damit erklärt werden, dass es Verantwortlichkeiten minimiert.

Die bisherigen Forschungen in diesem Bereich sind noch lückenhaft. Bezogen auf das Urlaubs- und Reiseverhalten von Menschen können wir auf die Vermächtnis Studie der Zeit und ein aktuell laufendes Projekt der Universität Münster verweisen.

Um ein Verständnis für Mental Load im Urlaub zu vermitteln, haben wir die Ergebnisse aus unserem Buch etwas erweitert und stellen gerne die folgenden Fragenliste zur Verfügung. Diese lädt zur Reflexion ein:

Gerne verweisen wir auch auf die Mental Load Tests der Initiative Equal Care.

 
 

 

 

Aktuelle Umfrage (Stand Juni 2026)

In einer Befragung von Beherbergungsbetrieben untersuchen wir aktuell, ob und wie die touristischen Betriebe Mental Load bei ihren Gästen wahrnehmen, welche Anforderungen sich daraus ergeben und welche Lösungen angeboten werden. Zwar ist Tourismus schon immer darauf ausgerichtet und in der Lage, einen schönen Urlaub zu ermöglichen: Wie aber sieht es aus, wenn die unsichtbare Belastung steigt? Wenn diese ungleich verteilt ist? Die Ergebnisse der Befragung werden wir im Herbst vorstellen.

Hier geht es zur Umfrage.

Wichtig: Dieser Fragebogen richtet sich an Beherbergungsbetriebe (Hotels, Pensionen, Campingplätze etc.). Es werden die folgenden Punkte zu Mental Load abgefragt: Kenntnis des Begriffs, Beobachtung bei Gästen, typische Situationen, betroffene Zielgruppen, angebotene Lösungen und Entwicklungsbedarf

Das Buch

Familien sind Vielfalt

Eine Patchworkfamilie mit jugendlichen Kindern stellt andere Anforderungen an den Urlaub als ein junges Paar mit Säugling. Genau darin steckt die Herausforderung für die Tourismuswirtschaft. Kirsten Harms und Kerstin Heuwinkel stellen das Phänomen Familienurlaub vor. Konkret gehen sie u. a. auf die Reisemotive, die Bedürfnisse und die Reiseentscheidung ein. Auch die Angebotsgestaltung, z. B. die Anreise, Unterkunft, Freizeitgestaltung und Verpflegung, lassen sie nicht außer Acht.
Ein aufschlussreiches Buch für Tourismusstudium und -praxis, z. B. Hotellerie, Reiseveranstalter und Reisebüros. Es ist auch für reisende Familien eine informative Lektüre.

Erhältlich im Buchhandel oder über den Verlag